Klettersteig-Schwierigkeitsgrade A–F

Wie schwer ist ein Klettersteig wirklich? Die gängige Schwierigkeitsskala reicht von A (leicht) bis F (extrem) und beschreibt, wie steil und kraftraubend die Kletterstelle ist und wie groß die Ausgesetztheit. Wer die Grade kennt, wählt die passende Klettersteigtour – und überfordert sich nicht am falschen Fels.

Im Alpenraum haben sich zwei Systeme durchgesetzt: die Buchstaben-Skala von Kurt Schall (A–F) und die Hüsler-Skala (K1–K6) – sie meinen dasselbe. Wichtig vorweg: Der Grad bewertet nur die technische Schwierigkeit der Kletterstelle, nicht Länge, Höhenmeter oder Zustieg.

Die Klettersteig-Skala von A bis F auf einen Blick

Von leicht (grün) bis extrem (rot) – hier die Grade im Überblick, darunter jeder Grad einzeln mit Gelände, Sicherung, Anforderungen und Ausrüstung:

Illustration Klettersteig Grad A – leicht (Hüsler K1)

Grad A – leicht (Hüsler K1)

Der Einstiegsgrad: Wo ein A steht, geht man mehr, als man klettert.

•  Gelände: flach bis steil, meist felsig oder von Fels durchsetzt; einzelne ausgesetzte Passagen sind möglich.

•  Sicherung: Drahtseile, Ketten, Eisenklammern und vereinzelt kurze Leitern – vieles lässt sich auch ohne Einhängen gehen.

•  Anforderungen: Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, dazu Grundkondition je nach Länge.

•  Ausrüstung: Klettersteigset empfohlen. Gesichert gehen ist nie ein Fehler.

Beispiel: einfache Zustiegs-Ferrate und gesicherte Übergänge.

Grad B – mäßig schwierig (Hüsler K2)

Der klassische Einsteiger-Grad – hier beginnt das richtige Klettersteiggehen.

•  Gelände: steileres Felsgelände mit kleineren Tritten und kurzen senkrechten Passagen; einzelne Stellen sind schon ausgesetzt.

•  Sicherung: Drahtseile, Klammern, Trittstifte, teils längere oder senkrechte Leitern.

•  Anforderungen: Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und gute Kondition, dazu etwas Kraft und Ausdauer in Armen und Beinen.

•  Ausrüstung: Klettersteigset empfohlen.

Beispiel: der Iseler-Klettersteig im Allgäu.

Illustration Klettersteig Grad B – mäßig schwierig (Hüsler K2)
Illustration Klettersteig Grad C – schwierig (Hüsler K3)

Grad C – schwierig (Hüsler K3)

Der häufigste Grad bei den großen Alpenklassikern – ab hier zählt der Kopf mit.

•  Gelände: steil bis sehr steil, meist kleine Tritte, längere und häufige ausgesetzte Passagen.

•  Sicherung: Drahtseile, Klammern und Trittstifte, teils überhängende Leitern; in senkrechten Abschnitten manchmal nur das Stahlseil.

•  Anforderungen: sichere Fußarbeit, gute Kraft und Ausdauer in Armen und Beinen.

•  Ausrüstung: Klettersteigset dringend empfohlen; ungeübte Kinder ans Seil nehmen.

Beispiele: der Mindelheimer Klettersteig und viele Dolomiten-Ferrate.

Grad D – sehr schwierig (Hüsler K4)

Ernst und kraftraubend – nichts mehr für Anfänger oder Kinder.

•  Gelände: senkrecht, oft überhängend und durchwegs stark ausgesetzt.

•  Sicherung: Klammern und Trittstifte liegen weit auseinander, an den steilsten Stellen oft nur ein Drahtseil; einzelne Kletterstellen bis II (UIAA).

•  Anforderungen: viel Kraft in Armen und Händen, solide Klettersteig-Erfahrung.

•  Ausrüstung: Klettersteigset obligatorisch; selbst Erfahrene sichern hier teils zusätzlich.

Typisch für moderne Sportklettersteige – etwas für die anspruchsvollen Klettersteige.

Illustration Klettersteig Grad D – sehr schwierig (Hüsler K4)
Illustration Klettersteig Grad E – extrem schwierig (Hüsler K5)

Grad E – extrem schwierig (Hüsler K5)

Sportklettersteig-Niveau: senkrecht bis überhängend, durchgehend ausgesetzt.

•  Gelände: senkrecht bis überhängend, sehr kleine Tritte oder Reibungskletterei.

•  Sicherung: Sicherungen liegen weit auseinander, oft nur ein Drahtseil, häufig mit echter Kletterei kombiniert.

•  Anforderungen: viel Kraft in Fingern, Armen und Beinen, dazu Kondition und Beweglichkeit.

•  Ausrüstung: Klettersteigset obligatorisch; für Anfänger und Kinder nicht geeignet.

Beispiel: der Kaiser-Max-Klettersteig an der Zirler Martinswand.

Grad F – extrem (Hüsler K6)

Der Extremgrad jenseits von E – nur mit sehr guter Klettertechnik und viel Kraft zu gehen.

•  Gelände: primär überhängend, sehr kleine Tritte oder Reibungskletterei.

•  Sicherung: weit auseinanderliegende Klammern und Stifte, kombiniert mit freier Kletterei.

•  Anforderungen: sehr gute Klettertechnik und viel Kraft – wer Grad E nicht souverän beherrscht, hat hier nichts verloren.

•  Ausrüstung: Klettersteigset obligatorisch, Toprope-Sicherung überlegenswert.

Die einzigen zwei F der Alpen: die Arena-Variante des Bürgeralm-Klettersteigs und die F-Variante des Postalmklamm-Klettersteigs (beide Österreich).

Illustration Klettersteig Grad F – extrem (Hüsler K6)

Schall oder Hüsler – und was ist mit F?

Wie beim Klettern, Bergsteigen und auf Hochtouren hat sich auch für Klettersteige eine eigene Schwierigkeitsskala etabliert. Die beiden Systeme bewerten dasselbe – sie unterscheiden sich nur in der Schreibweise:

Hüsler-Skala (K1–K6)

Eugen Hüsler stuft dieselben Steige mit K1 bis K6 ein – verbreitet in vielen Klettersteigführern und in der Schweiz.

Regional gibt es kleine Abweichungen, und einzelne Sportklettersteige sprengen die Skala inzwischen ganz. Den Grad zur jeweiligen Tour findest Du in jedem Klettersteigführer – dieselbe Tour kann je nach Quelle aber leicht anders bewertet sein. Erkundige Dich also vorab über Beschaffenheit und Anforderungen des konkreten Steigs.

Der Grad F kam erst mit den immer anspruchsvolleren Steigen dazu.

Welcher Grad passt zu Dir?

Für den Einstieg sind Grad A und B ideal – sanft ausgesetzt, gut zu lernen (unsere Klettersteige für Anfänger). Mit etwas Übung wächst Du in den Bereich B/C, den der Großteil der geführten Klettersteige bedient. Ab Grad C/D wird es ernst – das sind die anspruchsvollen Klettersteige für erfahrene Geher.

Der ehrlichste Weg, Deinen Grad zu finden: in einem Kurs Technik, Ein- und Umhängen und Sturzverhalten lernen – dann schätzt Du selbst und Dein Bergführer vor Ort richtig ein, was geht.

Passende Klettersteig-Angebote

Vom Kurs bis zur passenden Tour im richtigen Grad – vom Einstieg (A/B) über die großen Klassiker (B/C) bis zu den anspruchsvollen Steigen (ab C/D):

Häufige Fragen zu den Klettersteig-Schwierigkeitsgraden

Welcher Klettersteig-Grad ist für Anfänger geeignet?

Für den Einstieg eignen sich Grad A und B, mit etwas Übung auch B/C und kurze C-Stellen: gut gesichert, nur mäßig ausgesetzt und mit überschaubarer Armkraft machbar. Am besten lernst Du die Technik vorher in einem Klettersteigkurs – dann schätzt Du mit Deinem Bergführer richtig ein, was schon geht.

Was bedeutet K3 bei Klettersteigen?

K3 ist die Hüsler-Bewertung für einen schwierigen Klettersteig und entspricht dem Grad C nach Schall: steiles bis sehr steiles Gelände mit längeren ausgesetzten Passagen.

Ab welchem Grad brauche ich ein Klettersteigset?

Ein Klettersteigset gehört auf jeden Klettersteig – unabhängig vom Grad. Auch wenn Du einen Grad sicher beherrschst, schützt es vor einem Sturz und vor objektiven Gefahren wie Steinschlag und bietet einfach mehr Sicherheit. Helm und Klettergurt gehören immer dazu – bei uns bekommst Du die komplette Leihausrüstung.

Gibt es Klettersteige über Grad E?

Ja: Mit F gibt es einen Grad jenseits von E. In den Alpen existieren aber bislang nur zwei F-Klettersteige – die Arena-Variante der Bürgeralm und die F-Variante am Postalmklamm-Klettersteig.

Was ist der Unterschied zwischen Schall- und Hüsler-Skala?

Beide bewerten dasselbe, nur anders geschrieben: Schall nutzt Buchstaben (A–F), Hüsler die Kürzel K1–K6 bzw. eine verbale Einstufung. A entspricht K1 (leicht), E entspricht K5 (extrem schwierig).

Grad ist nicht gleich Gesamtschwierigkeit

Die A–F-Skala beschreibt nur die Kletterstelle. Bei Alpine Welten bewerten wir zusätzlich Kondition, Gesamtschwierigkeit, alpine Erfahrung und Ernsthaftigkeit jeder Reise – diese Schwierigkeitsbewertung zeigt Dir den Gesamtanspruch einer Klettersteigtour, nicht nur wie steil der Fels ist. So sehen auch erfahrene Klettersteiggeher auf einen Blick, ob eine Tour zu ihnen passt.