Was Alpinklettern vom Sportklettern unterscheidet
Wer alpin klettert, bringt mit, was er im Kurs gelernt hat: sicher sichern, im Vorstieg unterwegs sein. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gelten hier auch dort, wo kein Weg mehr ist — im Zustieg, am Wandfuß, im Abstieg. Der UIAA-Grad, den Du aus dem Klettergarten kennst, fühlt sich in der Wand eine Stufe härter an.
Wir sind mit Dir in den Dolomiten, im Tannheimer Tal und im Wettersteingebirge unterwegs — auf den Routen, für die diese Gebiete bekannt sind. Ganz oben steht die Große Zinne, die Wand, nach der die meisten fragen.
Am Klettergarten hängst Du im Zweifel zwei Meter über dem Boden und steigst ab. In einer alpinen Wand ist der Rückzug selbst eine Aufgabe — und das ändert alles davor:
• Die Länge — mehrere Seillängen hintereinander, oft mit Zustieg davor und Abstieg danach. Der Tag ist lang, bevor die Kletterei anfängt.
• Die Absicherung — nicht jede Route ist durchgehend mit Bohrhaken versehen. Was der Fels hergibt, entscheidet mit.
• Das Wetter — in der Wand hast Du keine zweite Chance auf die Entscheidung, die Du am Einstieg getroffen hast.
• Der Schwierigkeitsgrad — UIAA im alpinen Gelände fühlt sich eine Stufe härter an als dieselbe Zahl im Klettergarten.
• Die alpine Erfahrung — Trittsicherheit und Schwindelfreiheit im weglosen Gelände sind hier Voraussetzung, nicht Ziel.
• Kurz gesagt — Du sicherst sicher, bist im Vorstieg unterwegs und hältst einen Bergtag von acht bis zwölf Stunden durch. Wenn das noch nicht sitzt, fang mit einem Kletterkurs am Fels an.