WISSEN
Von Hansi Stöckl · 20. August 2026
Auf einer Hochtour trägst Du alles, was Du brauchst, selbst — über den Gletscher, durch Spaltenzonen, auf den Grat. Deshalb gilt: vollständig, aber so leicht wie möglich. Jedes Teil auf dieser Liste hat seinen Zweck; was keinen hat, bleibt im Tal. Die verbindliche Packliste bekommst Du zu jeder gebuchten Tour — hier erklären wir Dir, worauf es bei den wichtigsten Teilen ankommt.
Das ist der Kern, der eine Hochtour von einer Bergwanderung unterscheidet. Auf den Gletscher gehören: Gurt (Alpin, leicht), Kletterhelm, Eispickel für Hochtouren und Steigeisen. Dazu das Material für Spaltenbergung und Standplatz: HMS-, Safelock- und Schraubkarabiner, eine Bandschlinge 120 cm, Reepschnur 6 mm / 4 m und eine Eisschraube — am besten mit Kurbel, die lässt sich mit Handschuhen deutlich besser setzen. Beim Pickel gilt: je technischer die Tour, desto gebogener der Schaft — und die Länge passt, wenn er am langen Arm hängend etwa den oberen Schuhrand erreicht. Der Hochtourengurt hat gegenüber dem normalen Klettergurt einen Vorteil: Du legst ihn auch mit angelegten Steigeisen an, er ist leicht und klein packbar — Materialschlaufen links und rechts nehmen das Gletschermaterial auf. Und den Helm nimm lieber einmal zu oft mit: Stein- und Eisschlag nehmen mit der Erwärmung zu. Das Seil stellt Dein Bergführer. Vieles davon gibt es bei uns als Leihausrüstung — was bei Deiner Tour inklusive ist, steht in den Leistungen der Reise.
„Ich verwende am liebsten einen eher technischen Eispickel. Ich achte darauf, dass der Pickel nicht allzu leicht ist und der Kopf einen guten ‚Zug' hat, damit ich ihn auch in härteres Eis schlagen kann.“
Hansi Stöckl, Bergführer
Dein Bergschuh braucht für die Hochtour eine Kipphebelaufnahme an der Ferse — nur daran sitzt ein Semi-Automatik-Steigeisen (Kipphebel hinten, Körbchen vorne) dauerhaft fest. An einem Schuh ohne diese Fersenkerbe rutscht der Kipphebel ab — diese Kombination ist gefährlich und kommt bei uns nicht auf den Gletscher. Korb-Korb-Steigeisen mit Riemenbindung halten dagegen auch auf bedingt steigeisenfesten Schuhen sicher — sie sind der Standard für einfache Gletscher-Trekks. Unabhängig vom Bindungssystem gilt: Zu weiche Wanderstiefel sind für Hochtouren ungeeignet — sie biegen sich durch, das Steigeisen kann abspringen. Welche Schuhkategorie zu welcher Tour passt und woran Du die Aufnahme erkennst, steht ausführlich im Artikel Die richtige Schuhwahl für Deine Hochtour.
Drei Bindungsarten musst Du kennen: Softkorb-Korb (Riemenbindung) passt auf fast jeden Bergschuh und trägt Dich auf einfachen Gletscherwanderungen und Firnfeldern. Die halbautomatische Bindung — Softkorb vorne, Kipphebel hinten — sitzt auf bedingt steigeisenfesten Schuhen sehr fest, der Standard für klassische, mittelschwere Hochtouren. Die Rahmenbindung mit Kipphebel ist die stabilste Verbindung, für anspruchsvolle Hochtouren und Steileis. Und egal welche Bindung: eine Anti-Stollplatte ist Pflicht — sie verhindert, dass Schnee unter dem Steigeisen anstollt; gerade im Abstieg rutschst Du sonst leicht aus.
Auf 4.000 Metern läuft das Wetter in Stunden von Sonne auf Graupel. Du regelst das über Lagen, nicht über ein dickes Teil: Funktionswäsche lang, Funktions-Pullover, Softshellhose für Hochtouren, Gore-Tex-Jacke (3-Lagen, wasserdicht) und eine leichte Isolationsjacke für Pausen und den Gipfelgrat. Dazu zwei Paar Handschuhe (dünner Fingerling + warme Isolation), Mütze und Halstuch. Wie die Lagen zusammenspielen, liest Du im Bekleidungslagen-System.
Schnee und Eis werfen die Sonne zurück und verstärken die UV-Strahlung — Gletscherbrille und Sonnenschutz LSF 50+ sind Pflicht, dazu ein Lippenbalsam mit hohem UV-Schutz und Sonnenhut oder Cap. In den Rucksack (ca. 35–40 Liter, mit Pickelbefestigung) — möglichst schnörkellos, denn Reißverschlüsse sind die Schwachstelle; beim Kauf trägst Du ihn am besten mit rund 10 kg zur Probe. Hinein gehören außerdem: Stirnlampe mit Ersatzbatterien (der Aufbruch liegt vor dem Morgengrauen — und ohne Licht wird ein langer Tag ernst), 1,5 bis 2 Liter zu trinken (Trinkflasche plus Isolierflasche — die trockene Höhenluft kostet mehr Flüssigkeit, als Du denkst), Hüttenschlafsack, Blasenpflaster und Deine persönliche Apotheke. Wanderstöcke und ein Notfall-Biwaksack sind sinnvolle Ergänzungen — Pflicht sind sie nicht.
Du musst nicht alles kaufen: Bei unseren Hochtourenkursen und Einsteiger-Hochtouren ist die Gletscher-Leihausrüstung bereits inklusive — so probierst Du aus, was zu Dir passt, bevor Du investierst. Bei allen anderen Touren zeigt Dir der Blick in die Leistungen der Reise, was dabei ist; ob Du etwas leihen kannst, klären wir gern vor der Buchung. Eigenes Material nimmst Du gern mit; prüf es vorher: Ist meine Ausrüstung sicher? Mache den Check! Und am Ende zählt die Einschätzung Deines Bergführers — beim Ausrüstungs-Check vor der Tour sieht er Dein Material durch.
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