Höhe kann krank machen. Gerade in den Alpen ist die Akklimatisation für Gipfelziele in großen Höhen über 3.000 m wichtig, um keine gesundheitlichen Schäden davonzutragen — und vor allem, um Spaß an der Hochtour zu haben. Wer eine Expedition plant, ist viele Wochen unterwegs und akklimatisiert langsam. Bei einer Wochenendtour in den Alpen sieht es anders aus: schnell am Samstag ins Auto und am nächsten Tag auf den Piz Palü (3.901 m). Das kann gut gehen — in den meisten Fällen hat man dabei aber keinen Spaß.
Höhenprobleme werden häufig aus Scham gegenüber Bergführer oder Bergkameraden verschwiegen. Das kann auch in den Alpen tödlich enden. Ein Hirnödem (HACE) ist in den Alpen sehr unwahrscheinlich, ein Lungenödem (HAPE) in den Westalpen durchaus häufig. Offenheit mit auftretenden Symptomen ist überlebenswichtig und fair gegenüber den Bergkameraden — Höhensymptome sind keine Schwäche, das kann jedem passieren.
1. ZEIT mitbringen — Der größte Faktor ist der Mangel an Zeit. Für Touren zwischen 3.000 m und 5.500 m solltest Du Dir Zeit für die Vorbereitung nehmen. Häufig startet die Hochtour direkt an einer Bergstation über 3.500 m — am Klein Matterhorn, der höchstgelegenen Bergstation Europas mit 3.883 m, beginnt die eigentliche Tour. Wer hier nicht bereits akklimatisiert ist, bekommt Probleme. Die Höhenanpassung dauert mehrere Tage und hängt weniger vom Trainingszustand ab als von der Reaktion des Körpers auf den Sauerstoffmangel.
2. Schlafhöhe trainieren (go high – sleep down) — Die meisten Probleme treten nicht während der Tour auf, sondern nachts auf der Hütte, wenn die Schlafhöhe zu hoch ist. Bei Hütten-Übernachtungen über 3.000 m solltest Du im Vorfeld auf über 2.500 m übernachten — idealerweise noch einige Höhenmeter über die Hütte aufsteigen und dann zur Schlafhöhe absteigen. Die Schlafhöhe nicht mehr als 400 Hm pro Tag steigern und sich täglich fragen: Wie war die letzte Nacht?
3. Touren und Übernachtungen im Vorfeld — Wer bei Hochtouren in den Westalpen 2–3 Tage früher anreist und einfache Touren um 3.000 m unternimmt, hat eine wesentlich höhere Gipfelchance als jemand, der erst am Tag des Tourbeginns anreist. Viele Höhen über 3.000 m sind bequem mit Seilbahnen erreichbar — es geht nicht um Trainingstouren, sondern um den Aufenthalt in der Höhe. Die gute Hütten-Infrastruktur der Alpen bietet dafür genügend Möglichkeiten, die man unbedingt nutzen sollte.